Die "Judengräber" von Schwabhausen

Eines der drei Grabmale am Bahndamm bei Schwabhausen
Eines der drei Grabmale am Bahndamm bei Schwabhausen

Dasselbe Denkmal geschändet 2014 - ein Grund mehr, das Gedenken zu pflegen

 

Eine Tragödie aus den letzten Kriegstagen,

nach Augenzeugenberichten zusammengestellt

in der 2011 überarbeiteten Fassung zur Einstellung ins Internet

(mit Dank auch an Herrn Rolf Carpentier)

 

Danksagung

 

Vorab möchte ich den vielen Augenzeugen und Interviewpartnern danken, die durch ihre Aussagewilligkeit diesen historischen Bericht ermöglicht haben. Viele davon sind inzwischen verstorben. Ein Verzeichnis der befragten Zeugen befindet sich im Anhang. Um so gut wie möglich Persönlichkeitsschutz zu gewährleisten, wurden deren Familiennamen nicht ausgeschrieben.

Danken möchte ich auch Frau Barbara Distel am Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau für ihre freundliche Unterstützung und ihr Interesse an dieser Arbeit. Dabei konnte ich erkennen, dass die Nachforschungen über die Beschießung des Transportzuges mit kranken jüdischen KZ-Häftlingen bei Schwab-hausen seit dem Jahre 1950 nicht mehr wesentlich weiterbetrieben wurden. Mit der vorliegenden Schrift liegt nun das Ergebnis einer gründlicheren historischen Sichtung noch erfahrbarer Sachverhalte und von Augenzeugenberichten vor.

Diese Schrift entstand, als ich noch Schwabhausener Bürger und zugleich Mit­glied der Bürgervereinigung "Landsberg im 20. Jahrhundert e.V." war. Ohne die vielfältigen Anregungen aus diesen beiden Milieus wäre diese Schrift nicht ent­standen. In die vorliegende, verbesserte Fassung sind nachgereichte Dokumente ein­geflossen, für deren Überlassung ich danken möchte.

 
Bitte und vorsorgliche Abbitte an den Leser

 

Sollten Sie beim aufmerksamen Lesen dieser mehrmals überarbeiteten Schrift immer noch auf sachliche Widersprüche stoßen oder sind Ihnen zusätzliche Einzelheiten bekannt, die diesen historischen Rekonstruktionsversuch verbessern könnten, so bitte ich, mich davon auch weiterhin in Kenntnis zu setzen. Sollten Sie an weiteren Informa-tionen zu Problemen dieses Stücks Zeitgeschichte interessiert sein oder die Arbeit daran anderweitig unterstützen wollen, wenden Sie sich bitte an den Verfasser. Die Adresse befindet sich auf der letzten Seite.

Zeitgeschichtliche Studien dieser konkreten, ortsnahen und allgemeinverständlich geschriebenen Art lösen verständlicherweise Gefühle aus und fordern zu einer wertenden Stellungnahme heraus. Oft wird dazu geltend gemacht, man solle um des lieben Friedens willen nicht weiter "in alten Sachen rühren". Der vorgelegte Versuch einer Spurensicherung musste aber gewagt werden, um eine Grundlage für diejenigen zu schaffen, die sich erinnern wollen oder für diejenigen, die sich für die Lebenswurzeln und auch Bedrohungen unserer Gemeinschaft in der Vergangenheit interessieren, die sie aber nicht selbst bewusst erlebt haben. Sollte ich dabei jemandem zu nahe getreten sein, bitte ich um Verständnis und Nachsicht.

Diese Schrift ist keine allgemeine Dorfchronik, die allem Geschehen Rechnung tragen und jedermann gleich gerecht werden muss, der unter dem Krieg gelitten hat. Sie ist ausdrücklich den anonymen Toten in den "Judengräbern" gewidmet.

Einstimmung und Kurzfassung

 

Manchem wird es schon seltsam vorgekommen sein, wenn er, im Zug zwischen München und dem Allgäu sitzend, bei Bahnkilometer 47.0 drei große, dunkle Steinmonumente mit eingefassten Flächen davor an sich vorbei huschen sah. Er konnte gerade noch die Davidsterne am oberen Ende wahrnehmen und wird sich gefragt haben, was hier wohl geschehen sein mag. Eine jetzt erst vollständig entzifferte und übersetzte Inschrift vermittelt ihm, dass hier "die Gebeine von heiligen und reinen Menschen" ruhen, "die nach schweren Folterungen am Tage der Befreiung", am 27. April 1945 getötet wur­den.

In dieser Schrift wird näher ausgeführt, dass und wie an dieser Stelle bei Schwab­hausen 170 von über 3.000 zwangsevakuierten, kranken KZ-Häftlingen, fast durchwegs Juden, in oder bei ihren Güterwaggons durch Beschuss von Fliegern oder von Wachposten ums Leben gebracht wurden. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie die Bevölkerung eines kleinen, oberbayerischen Dorfes früher und heute mit dieser schrecklichen Tragödie umzugehen vermochte beziehungsweise vermag.

 

Inhaltsübersicht

 

. 2. 2

1. Schwabhausen galt als "Schwarzes Nest". 3

2. Die letzten Kriegstage im Dorf4

3. Die Beschießung des Transportzuges mit todkranken Juden. 7

3.1 Zur Vorgeschichte. 7

3.2 Rekonstruktion des Angriffs. 10

3.3 Weitere Schicksale einiger Flüchtender15

3.4 Plünderung des Materialzugs und erzwungene Hilfestellung für die Überlebenden. 17

3.5 Schwabhausener begraben die toten Juden. 19

4. Die Situation in Machelberg. 20

5. Die Situation in der Dampfsäge. 21

6. Dr. Grinberg und die Situation im Kloster St. Ottilien. 21

7. Reserve-Lazarett und KZ-Friedhof im Kloster St. Ottilien. 22

8. Die Umstellungen nach den Kriegshandlungen. 24

9. Zur Vergangenheitsbewältigung und zu den Grabmälern. 25

10. Gedenkansprache genau 40 Jahre danach. 27

11. Gedenkansprache genau 50 Jahre danach

12. Quellenangaben. 31