Volksmusik
Man hat selten Gelegenheit, wirklich gute Aufführungen von Volksmusik in Südportugal zu erleben. Bei den üblichen, zahlreichen Volksfesten wird zu unserer Enttäuschung meist ein Jüngling an ein elektronisches Klavier mit Rhythmusspeicher gesetzt, der dann zum vorprogrammierten 4/4-Takt nur noch eine bekannte Melodie darüber setzen muss. Und die Leute tanzen und drehen sich, vira, vira ...
Traditionelle Musikgruppen auf dem Lande haben natürlich Nachwuchsprobleme,
da ihnen - wie in anderen Bereichen auch - die Jugendlichen davonlaufen.
Sie bestehen deshalb meist aus älteren Männern, die vielleicht
den Schullehrer als Leiter verpflichtet haben. Selten genug treten sie
auf, so zum Beispiel zwischen Neujahr und Dreikönig im Dreieck Olhão
- Tavira - Sta. Catarina do Fonte do Bispo, um ihre "janeiras" oder "charolas"
zu spielen und zu singen. Dies sind alte, überlieferte Lieder, zu
denen manchmal neue Texte gedichtet werden. Die Gruppen mit je zehn bis
16 Musikanten treffen sich in dieser Zeit auch zu Wettbewerben, z.B. in
Luz de Tavira vor der Kirche. Akordeons, Guitarren und Bläser (Klarinetten
und Trompeten) klingen dann zusammen, einige Männer, die die Refrains
mitsingen, klappern mit ihren Tambourins und Castagnetten und geben ihrem
Sänger Rückhalt, der eingängige Melodien zu Gehör bringt.
Ein andalusischer paso-doble eröffnet meist die Abfolge von
drei Vortragsstücken, das mittlere ist ein charola, den Schluss bildet
eine Walzermelodie. Fremde verirren sich wenig zu solchen Veranstaltungen,
deren Termine und Orte man nur aus dem lokalen Radio erfahren kann. Touristen
werden stattdessen in den Küstenstädten des Sotavento bei ihren
jährlichen marisquos-Festen von extra dafür am Leben erhaltenen
ranchos
mit musica popular traditional bedient. Aber auch dabei sind junge
Sängerinnen unvermeidlich, die sich eher an die zeitgemässen
Vorbilder aus Film und Fernsehen halten als an das überlieferte Liedgut
und die dafür einmal typischen Vortragsformen.
Eukalyptuswälder
Eukalyptus ist kein einheimischer Baum. Er wurde aus Australien eingeführt und stellt nun in manchen Gegenden schon eine Bedrohung dar. Die Bäume wurzeln tief und senken dadurch das Grundwasser ab, weshalb Winzer Eukalyptusbäume nicht in der Nähe ihrer Weingärten mögen. Auch brennen Eukalyptusbäume wie Zunder, wenn ein Funke auf die am Boden liegenden Rindenschalen fällt. Jeden Sommer werden ganze Wälder ein Raub der Flammen. Andererseits stellen die Bäume inzwischen einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Sie werden alle zehn Jahre gekappt und zu Faserbrei verarbeitet (Papiere und Viskose). Eine solche Viskosefabrik befindet sich bei Morão und verseucht mit ihren Abwässern den Guadiana (es sind nicht immer nur die Spanier). Nach dem Schnitt lässt man zwei oder drei der stärksten Triebe stehen, so dass sie nach neun bis zehn Jahren wieder geschnitten werden können. Diese Prozedur lässt sich noch zweimal wiederholen, bis der Boden unweigerlich ausgelaugt ist. Dann gräbt man die Wurzeln aus und lässt das Brachland einfach liegen, das unweigerlich der Erosion verfällt. Humusbildung für Nachfolger konnte inzwischen keine erfolgen und Eukalyptus läßt auch keine Gesellungspflanzen zu.
Dieses negative Szenario vor Augen verwundert es, dass noch niemand
auf die Idee kam, Eukalyptus durch Hanf zu ersetzen - nicht den drogenhaltigen
- sondern Cannabis sativa, eine uralte Kultur- und Nutzpflanze, einen universellen
Rohstofflieferanten. Aus ihm kann man viele nützliche Dinge gewinnen:
Aus den Fasern haltbare Taue und Segel, hautfreundliche und feine Textilien
und eben auch Papier, aus den Samen ein hochwertiges Speiseöl. Für
ökologischen Landbau eignet sich die in jedem Klima schnell hochwachsende
Pflanze (in 100 Tagen bis zu 4 Meter), weil sie jedes andere Unkrau unterdrückt
und dadurch keine Herbizide und Pestizide braucht. Ausserdem lockert und
optimiert sie den Boden für nachfolgende Pflanzen. Wenn man hinzunimmt,
dass sich mit diesem Hanf auf derselben Fläche im Vergleich zum Eukalyptus
ungefähr viermal so viel Papier erwirtschaften lässt, fragt man
sich, warum die Portugiesen den internationalen Zellulose-Konzernen nicht
mehr Widerstand entgegensetzen.
Alternative Routen
Unter der Bezeichnung "Via Mediterranea" sind jetzt von IN LOCO (Faro), Tourenvorschläge ausgearbeitet worden (oder sind noch in Ausarbeitung), um die verbissene Einseitigkeit von "Sonne und Strand und sonst nichts" etwas zu lockern. Dazu gehören Ausflüge an der Küste des Ost-Algarve entlang, Entdeckungsfahrten im Gebirge, Wanderungen durch den Barrocal und eine Fahrt auf dem Guadiana.
Auch in diesen Führer sind vom Autor erprobte Routenvorschläge
für mehrtägige Erkundungen integriert (nach der Reihenfolge im
Buch nummeriert):
| Route | Beschreibung | ab S. |
| 1 | Durch den fruchtbaren Barrocal zu alten Kulturen | 192 |
| 2 | Zu den verlassenen Dörfern im Grenzgebirge zwischen Algarve und Alentejo | 217 |
| 3 | Ins unwegsame Hinterland von Tavira (Serra Alcaria do Cume) | 224 |
| 4 | Entlang des Guadiana durch den östlichen Alentejo bis Elvas | 233 |
| 5 | Rund um Évora auf den Spuren der Megalithiker | 246 |
Kleinere Wanderungen oder Fahrten (nicht
mehr als drei Stunden) finden sich des weiteren im Buch verstreut:
| A | Bike-Tour rund um den Monte Figo | 172 |
| B | Zur Burgruine von Paderne und zur römischen Brücke | 186 |
| C | Ein Rundgang durch Faros Altstadt | 194 |
| D | Hinterm Eukalyptuswald von Tavira | 209 |
| E | Durch das Asseca-Tal bei Tavira | 210 |
| F | Bahnfahrten zur spanischen Grenze | 267 |
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